ORF (Olympus Raw Format) ist das RAW-Format der Olympus-Kameras und ihrer Nachfolger unter der Marke OM System. ORF-Dateien entstehen in PEN- und OM-D-Modellen wie E-M10, E-M5 und E-M1, in OM-1 und OM-5, in den wasserdichten Tough-TG-Kompakten und in den alten Four-Thirds-Spiegelreflexkameras der E-Serie. Das Format hat den Namen Olympus überlebt: Seit Januar 2021 gehört das Kamerageschäft der OM Digital Solutions, deren Kameras weiterhin .ORF schreiben.
Geschichte
Olympus nutzte ORF schon bei der E-10 aus dem Jahr 2000, einer Kamera im SLR-Stil mit festem Objektiv. Die E-1 von 2003 begründete das Four-Thirds-System, ab 2008 übernahm das kleinere Micro Four Thirds, gemeinsam mit Panasonic entwickelt. Die Endung blieb all die Jahre gleich, der Inhalt änderte sich mit jeder Sensorgeneration. Eine Spezifikation hat Olympus nie veröffentlicht.
Wie ORF aufgebaut ist
- Ein TIFF mit Eigenheiten. Die Struktur ist TIFF, doch die ersten Bytes lauten
IIRO,IIRSoderMMORstatt der TIFF-Signatur. Gewöhnliche TIFF-Leser lehnen ORF deshalb ab, obwohl darin alles Bekannte steckt. - 12-Bit-Sensordaten. Je nach Modell dicht gepackt, entpackt in 16-Bit-Worten oder mit Olympus' eigenem Verfahren verlustfrei komprimiert. Eine verlustbehaftete Variante oder wählbare RAW-Größen gibt es nicht.
- Umfangreiche Maker Notes. Bildmodus, Art-Filter, Gradation und die Daten zur Objektivkorrektur werden als Metadaten gespeichert. Eine JPEG-Vorschau in voller Größe ist eingebettet.
- High Res Shot. Seit der E-M5 Mark II (2015) verschiebt die Kamera den Sensor zwischen mehreren Belichtungen und setzt sie zusammen. Bei der E-M5 Mark II hat das resultierende ORF 64 MP und rund 100 MB, eine normale Aufnahme 16 MP. Die E-M1X (2019) brachte eine Variante aus der Hand.
Objektivkorrekturen sind Pflicht
Micro Four Thirds wurde so ausgelegt, dass ein Teil von Verzeichnung und Vignettierung per Software korrigiert wird. Vor allem kompakte Zooms und Pancakes verlassen sich darauf. Die Korrekturdaten stecken im ORF, Lightroom, OM Workspace und darktable wenden sie an. Ein RAW-Konverter, der sie ignoriert, zeigt einen etwas weiteren Bildausschnitt mit sichtbarer tonnenförmiger Verzeichnung und dunkleren Ecken. Das ist der häufigste Grund, warum ein ORF in einem einfachen Betrachter „falsch“ aussieht.
ORF-Dateien öffnen
- OM Workspace (Windows, macOS, für Kamerabesitzer kostenlos): das offizielle Programm, Nachfolger von Olympus Viewer und Olympus Workspace. Es wendet Art-Filter nachträglich auf RAW an und verarbeitet High-Res-Shot-Dateien.
- Windows 10 und 11: Fotos-App und Explorer, nach Installation der kostenlosen Raw Image Extension aus dem Microsoft Store.
- macOS und iOS: Vorschau und Fotos, sofern die Kamera auf Apples Liste steht.
- darktable, RawTherapee (kostenlos, auch für Linux), Lightroom und Photoshop über Camera Raw.
Häufige Probleme mit ORF
ORF lässt sich in Photoshop oder Lightroom nicht öffnen
Die Camera-Raw-Version ist älter als die Kamera. Aktualisieren oder die Dateien mit dem kostenlosen Adobe DNG Converter umwandeln.
Windows 11 zeigt keine ORF-Vorschaubilder
Installieren Sie die Raw Image Extension. Ohne sie zeigt Windows nur ein allgemeines Symbol.
Art-Filter fehlt im ORF
Art-Filter und Bildmodi werden nur auf das Kamera-JPEG angewendet, im ORF sind sie bloß vermerkt. OM Workspace kann sie erneut anwenden, andere Programme ignorieren sie.
High-Res-Shot-ORF lässt sich nicht öffnen
Viele Programme von Drittanbietern unterstützen bei einer Kamera nur normale ORF-Dateien. Nutzen Sie OM Workspace oder eine aktuelle Lightroom-Version.
ORF umwandeln
ORF wird in JPG zum Teilen umgewandelt, in TIFF für Software ohne RAW-Unterstützung und in DNG zur Archivierung. Unser Konverter dekodiert ORF mit dem Weißabgleich der Kamera und automatischer Helligkeit, und speichert JPG mit Qualität 90, PNG oder 8-Bit-TIFF in sRGB. Objektivkorrekturen und Art-Filter werden nicht angewendet, rechnen Sie bei manchen Objektiven also mit der oben beschriebenen Verzeichnung. Wenn es auf den Look ankommt, entwickeln Sie in OM Workspace und exportieren von dort. High-Res-Shot-Dateien überschreiten oft unser Limit von 100 MB pro Datei, und ganz neue Modelle werden eventuell noch nicht unterstützt. Allgemeines zu RAW-Formaten steht auf der Seite Kamera-RAW.
ORF auf einen Blick
| Entwickler | Olympus, seit 2021 OM Digital Solutions |
|---|---|
| Erstmals | 2000 (Olympus E-10) |
| Spezifikation | nicht veröffentlicht |
| Basis | TIFF mit eigener Signatur |
| Bittiefe | 12 Bit |
| Kompression | keine oder verlustfrei, je nach Modell |
| Typische Verwendung | RAW-Fotos aus Olympus- und OM-System-Kameras |
Weiterführend (englisch): die Seite von OM Workspace und die Übersicht der Library of Congress zu Kamera-RAW-Formaten.