TIFF (Tagged Image File Format, Endungen .tif und .tiff) ist das Arbeitspferd für Scannen, Archivierung und Druck. Archive und Bibliotheken bewahren ihre Master-Scans darin auf, Druckereien und Fotografen tauschen 16-Bit- und CMYK-Bilder als TIFF aus, Fax- und Dokumentensysteme speichern mehrseitige Schwarzweißdokumente darin, und GIS-Karten reisen als GeoTIFF. Wer ein TIFF bekommt, hat es meist vom Scanner, von einem Digitalisierungsdienst, von Fotografen oder aus der Druckerei.
Geschichte
Aldus, Hersteller von PageMaker, veröffentlichte TIFF 1986 zusammen mit Microsoft, damit die ersten Desktop-Scanner ein gemeinsames Format hatten. Revision 5.0 (1988) brachte Palettenfarben und LZW-Kompression, Revision 6.0 (1992) JPEG-Kompression, CMYK und Kacheln. 1994 übernahm Adobe die Firma Aldus und verwaltet seitdem die Spezifikation. 6.0 ist bis heute aktuell, ergänzt um technische Anmerkungen etwa zur Deflate-Kompression (ZIP). Auf TIFF bauen etliche Normen auf: TIFF/EP (ISO 12234-2) für Kameras, Grundlage auch von DNG und RAW-Formaten wie CR2 und NEF, TIFF/IT (ISO 12639) für die Druckvorstufe und GeoTIFF für Karten mit Koordinaten.
So funktioniert TIFF
- Tags. Nach dem Header (
IIoderMMje nach Bytereihenfolge) folgen Verzeichnisse mit Tags: Breite, Höhe, Kompression, Farbraum, Auflösung und Dutzende weitere. Jedes Verzeichnis beschreibt ein Bild, eine Datei kann also beliebig viele Seiten enthalten. - Kompression nach Wahl: keine, PackBits, LZW und Deflate (alle verlustfrei), JPEG (verlustbehaftet) sowie CCITT Gruppe 3 und 4 für Schwarzweißfaxe und Dokumentenscans, bei denen eine Seite nur einige Dutzend Kilobyte belegt.
- Farbe: 1 bis 32 Bit pro Kanal einschließlich Gleitkomma, Graustufen, RGB, CMYK, CIE Lab, Alphakanäle, ICC-Profile.
- Grenzen: Klassisches TIFF nutzt 32-Bit-Offsets, eine Datei darf deshalb 4 GB nicht überschreiten. Größere Bilder nutzen die Variante BigTIFF mit 64-Bit-Offsets, die ältere Programme nicht lesen.
- Ebenen? Photoshop kann Ebenen in einem eigenen privaten Tag im TIFF ablegen. Andere Programme zeigen nur das zusammengefügte Bild.
Diese Flexibilität ist zugleich die Schwäche von TIFF. Zwei Dateien mit derselben Endung können innen völlig verschieden sein, und ein Programm, das die eine versteht, lehnt die andere ab.
TIFF öffnen und bearbeiten
Windows öffnet TIFF in der Fotos-App, macOS in Vorschau, das die Seiten einer mehrseitigen Datei in der Seitenleiste zeigt. Unter Linux kommen Bildbetrachter und GIMP damit zurecht, GIMP fragt, ob die Seiten als Ebenen oder als einzelne Bilder geöffnet werden sollen. Für professionelle Arbeit gibt es Photoshop oder Affinity Photo, zum schnellen Ansehen IrfanView oder XnView MP. Auf Smartphones ist die Unterstützung uneinheitlich: Das iPhone zeigt TIFF in der Dateien-App, viele Android-Galerien gar nicht. Was eine problematische Datei wirklich enthält, verraten die Open-Source-Bibliothek LibTIFF und ihre Werkzeuge (tiffinfo, tiffsplit).
Typische Probleme
TIFF lässt sich nicht öffnen
Meist steckt eine ungewöhnliche Variante dahinter: JPEG-Kompression im alten Stil der 1990er, 16-Bit- oder 32-Bit-Gleitkommadaten, CMYK, BigTIFF oder eine Faxdatei mit ungewöhnlichen Parametern. Probieren Sie ein anderes Programm, und wenn eines die Datei öffnet, exportieren Sie in ein gängiges Format. Unser Konverter liest die meisten TIFF-Varianten.
Vom TIFF wird nur die erste Seite angezeigt
Viele Betrachter und Upload-Formulare ignorieren weitere Seiten. Wandeln Sie das mehrseitige TIFF in PDF um, dort bleiben alle Seiten erhalten.
TIFF ist zu groß für eine E-Mail
Eine A4-Seite, farbig mit 600 dpi gescannt, hat unkomprimiert rund 100 MB. Zum Versenden genügt PDF oder JPG, das TIFF bleibt als Archivmaster.
TIFF umwandeln
Am häufigsten wird TIFF in PDF umgewandelt (Dokumente, Faxe, Scans) und in JPG zum Teilen und fürs Web, siehe TIFF in JPG umwandeln. So geht unser Konverter mit Seiten um: TIFF in PDF behält alle Seiten in einem Dokument, TIFF in JPG, PNG oder BMP übernimmt nur die erste Seite. Umgekehrt rendert PDF in TIFF jede Seite mit 150 dpi in ein einziges mehrseitiges TIFF. Transparenz bleibt in PNG und TIFF erhalten, in JPG wird sie weiß, 16-Bit-Daten werden im JPG zu 8 Bit. Photoshop-Ebenen werden nicht übernommen, nur das zusammengefügte Bild. Bilder mit mehr als 30.000 Pixeln Kantenlänge können wir nicht verarbeiten.
TIFF auf einen Blick
| Entwickelt von | Aldus mit Microsoft; seit 1994 Adobe |
|---|---|
| Erste Version | 1986 |
| Aktuelle Version | TIFF 6.0 (1992); BigTIFF; TIFF/EP ISO 12234-2, TIFF/IT ISO 12639 |
| Typ | Rastergrafik, mehrseitig |
| Kompression | keine, LZW, Deflate, PackBits, JPEG, CCITT G3/G4 |
| Farbtiefe | 1 bis 32 Bit pro Kanal, RGB, CMYK, Lab |
| Typische Nutzung | Scannen, Archive, Druck, Fax, GIS |
Mehr: Library of Congress zu TIFF 6.0, zu TIFF/EP und das Projekt LibTIFF.