LIT ist das E-Book-Format von Microsoft Reader, einer Anwendung, die Microsoft im August 2000 für Windows-PCs und Pocket-PC-Handhelds herausbrachte. Einige Jahre lang gehörte LIT zu den wichtigsten Formaten des frühen E-Book-Markts: große Online-Buchhandlungen verkauften es, und auf vielen Pocket-PC- und Windows-Mobile-Geräten war Microsoft Reader vorinstalliert. 2012 beendete Microsoft das Format. Eine .lit-Datei stammt heute meist aus einer alten Sicherung, von einer Buch-CD oder aus einer E-Book-Sammlung der 2000er-Jahre.
Kurze Geschichte
Microsoft Reader war eine der ersten Anwendungen mit ClearType, Microsofts Subpixel-Schriftglättung, die Text auf den LCD-Bildschirmen jener Zeit deutlich schärfer machte. Bücher konnten frei sein oder per DRM an die aktivierte Reader-Installation gebunden. Verlage erstellten LIT-Dateien mit einem kostenlosen Add-in für Microsoft Word oder mit Werkzeugen anderer Hersteller. Im August 2011 kündigte Microsoft das Ende an: Der Verkauf von LIT-Büchern endete am 8. November 2011, am 30. August 2012 verschwand die Anwendung aus dem Download (siehe zeitgenössischer Bericht). Bestehende Installationen liefen weiter, eine Version für aktuelle Windows-Versionen gab es nie.
Was in einer LIT-Datei steckt
LIT ist eine Erweiterung von CHM, dem kompilierten HTML-Hilfeformat, das man von Windows-Hilfedateien kennt. Im Container liegen:
- der Text in OEBPS-1.0-Markup, im Kern HTML 4 als wohlgeformtes XML. Es ist derselbe Open-eBook-Standard, aus dem später EPUB hervorging,
- ein vereinfachtes CSS-Stylesheet,
- Bilder als GIF, JPEG oder PNG,
- Metadaten und ein Inhaltsverzeichnis.
Der Inhalt ist mit LZX komprimiert, demselben Verfahren wie in Microsofts CAB-Archiven, das Markup liegt in kompakter Binärform vor. Eine vollständige Spezifikation hat Microsoft nie veröffentlicht. Die Details stammen aus Reverse Engineering und sind im MobileRead-Wiki zusammengefasst.
LIT heute öffnen
Keine aktuelle Microsoft-Software liest LIT, und einen offiziellen Microsoft Reader für Windows 10 oder 11 gibt es nicht. Praktisch bleibt calibre für Windows, macOS und Linux: Der Viewer öffnet LIT-Dateien ohne DRM, der Konverter macht daraus ein Format, das jeder Reader versteht. Alte Installer von Microsoft Reader auf Download-Portalen werden nicht mehr gepflegt, das Risiko lohnt sich nicht.
Häufige Probleme mit LIT
LIT-Datei lässt sich unter Windows 11 nicht öffnen
Windows hat keinen LIT-Reader mehr. Wandeln Sie das Buch in EPUB oder PDF um oder öffnen Sie es in calibre.
LIT lässt sich nicht umwandeln
In den 2000er-Jahren gekaufte Bücher waren oft geschützt und an den aktivierten Microsoft Reader des Käufers gebunden. Solche Dateien lassen sich nicht konvertieren. LIT-Dateien ohne DRM, darunter die meisten gemeinfreien Klassiker und Selbstverlagstitel, gehen problemlos.
LIT umwandeln
Weil LIT sauberes, gut strukturiertes HTML enthält, lässt es sich ungewöhnlich gut umwandeln. Die FAQ der E-Book-Verwaltung calibre setzt LIT sogar an die Spitze der bevorzugten Quellformate. Naheliegend ist LIT in EPUB: Kapitel, Inhaltsverzeichnis, Bilder und Grundformatierung kommen mit, und das Ergebnis läuft auf fast jedem Reader, auch auf dem Tolino. Für den Kindle wählen Sie AZW3, zum Drucken PDF. Die Umwandlung nach LIT funktioniert weiterhin, die Datei entsteht ohne DRM. Sinnvoll ist das aber nur für alte Pocket-PC- oder Windows-Mobile-Geräte mit installiertem Microsoft Reader.
LIT im Überblick
| Entwickler | Microsoft |
|---|---|
| Erste Version | August 2000, mit Microsoft Reader |
| Ende | Verkauf eingestellt im November 2011, Reader zurückgezogen am 30. August 2012 |
| Typ | CHM-basierter Container mit OEBPS 1.0 (HTML/XML), CSS und Bildern |
| Kompression | LZX, verlustfrei |
| Spezifikation | proprietär, nie veröffentlicht |
| Typische Verwendung heute | archivierte E-Books der 2000er, Umwandlung in EPUB |
Die Rangliste der Quellformate steht in der calibre-FAQ.