Eine CR2-Datei ist ein Rohbild (RAW) aus einer Canon-Kamera. Sie enthält die Sensordaten fast so, wie die Kamera sie ausgelesen hat, also vor Weißabgleich, Schärfung, Bildstil und JPEG-Kompression. Canon-EOS-Kameras speicherten CR2 von 2004 bis zum Wechsel auf CR3 im Jahr 2018. Eine CR2-Datei stammt deshalb meist von einer EOS-Spiegelreflex wie 5D, 6D, 7D, 80D oder einem Einsteigermodell wie der EOS 700D, oder aus einem älteren Fotoarchiv.
Von CRW über CR2 zu CR3
Canons erstes RAW-Format CRW nutzte den hauseigenen Container CIFF. 2004 stiegen die EOS-1D Mark II und die EOS 20D auf CR2 um, kurz für Canon Raw Version 2, technisch eine TIFF-Datei. Das Format hielt rund fünfzehn Jahre. 2018 brachte die EOS M50 das neue CR3, einen Container auf Basis des ISO Base Media File Format, also aus derselben Familie wie MP4. Alle neueren Canon-Modelle schreiben CR3. Spiegelreflexkameras, die vorher auf den Markt kamen, darunter EOS 2000D und 4000D von 2018, bleiben bei CR2. Eine offizielle Spezifikation hat Canon nie veröffentlicht. Was freie Programme über CR2 wissen, stammt aus Reverse Engineering.
Was in einer CR2-Datei steckt
- Eine TIFF-Datei mit Kennung. Direkt nach dem 8 Byte langen TIFF-Header folgen die Buchstaben
CRund die Versionsnummer 2.0. Daran erkennen Programme CR2 und verwechseln es nicht mit gewöhnlichem TIFF. - Mehrere Bilder in einer Datei. Eine JPEG-Vorschau in voller Größe, ein kleines Miniaturbild und die eigentlichen Sensordaten. Schnelle Bildbetrachter und die Wiedergabe in der Kamera zeigen die Vorschau, nicht die Rohdaten.
- Verlustfreie Kompression. Die Sensordaten sind mit dem ursprünglichen verlustfreien JPEG-Verfahren (ITU-T T.81) komprimiert, demselben wie bei DNG. Es geht nichts verloren. Ältere Modelle zeichnen 12 Bit pro Pixel auf, Modelle ab 2007 (EOS 40D, EOS-1D Mark III) 14 Bit.
- Metadaten. EXIF und Canons Herstellerdaten (Maker Notes): Objektiv, Bildstil, AF-Messfelder und mehr.
- Varianten. Manche Gehäuse bieten kleinere sRAW- und mRAW-Dateien. Diese sind bereits entmosaikt und damit keine Rohdaten im engeren Sinn. Dual Pixel RAW der EOS 5D Mark IV speichert zwei Teilbilder, die Datei wird etwa doppelt so groß.
CR2 öffnen
- Canon Digital Photo Professional (Windows, macOS) ist für Canon-Besitzer kostenlos, die Download-Seite fragt unter Umständen nach der Seriennummer der Kamera. Nur dieses Programm gibt Bildstile genau so wieder wie die Kamera.
- Windows 10 und 11: Installieren Sie die kostenlose Raw Image Extension aus dem Microsoft Store. Danach öffnet die Fotos-App CR2-Dateien und der Explorer zeigt Vorschaubilder.
- macOS, iPhone und iPad: Vorschau und Fotos lesen CR2 unterstützter Kameras ohne Zusatzsoftware.
- Linux: darktable und RawTherapee sind kostenlose, vollwertige RAW-Entwickler. Die meisten Bildbetrachter zeigen zumindest die eingebettete Vorschau.
- Adobe Lightroom und Photoshop öffnen CR2 über Camera Raw, Lightroom auch mobil unter Android und iOS.
Typische Probleme mit CR2
CR2 lässt sich in Photoshop nicht öffnen
Ihr Camera-Raw-Plug-in ist älter als die Kamera. Aktualisieren Sie Photoshop. Lässt sich eine alte Version nicht mehr aktualisieren, wandeln Sie die Dateien mit dem kostenlosen Adobe DNG Converter in DNG um und öffnen diese.
Das Foto sieht anders aus als auf dem Kameradisplay
Die Kamera zeigt die eingebettete JPEG-Vorschau mit Bildstil, Auto Lighting Optimizer und Objektivkorrekturen. RAW-Programme anderer Hersteller beginnen mit einer eigenen, neutralen Entwicklung. Die Datei ist also nicht defekt. Digital Photo Professional zeigt das Bild so, wie die Kamera es gemeint hat.
CR2-Datei beschädigt oder halb grau
Meist ein Lesefehler der Speicherkarte oder ein abgebrochener Kopiervorgang. Kopieren Sie die Datei erneut über einen Kartenleser. Sind die Rohdaten tatsächlich defekt, überlebt oft die Vorschau: exiftool -b -PreviewImage foto.CR2 > foto.jpg speichert sie als JPEG in voller Größe.
CR2 umwandeln
Üblich ist die Umwandlung in JPG zum Teilen und Drucken, in TIFF für Programme ohne RAW-Unterstützung und in DNG für die Langzeitarchivierung. Unser Konverter entwickelt die Datei so: Weißabgleich der Kamera, Standard-Demosaicing, sRGB-Farben, 8 Bit pro Kanal, volle Sensorauflösung. Bildstil, Objektivkorrekturen, Rauschunterdrückung und Lichterrettung werden nicht angewendet. Das Ergebnis wirkt deshalb neutraler und etwas flacher als das Kamera-JPEG. Vollständige EXIF-Daten und Maker Notes werden nicht übernommen. Mehr dazu unter CR2 in JPG umwandeln. Wer Belichtung und Farben weiter bearbeiten will, entwickelt die Datei selbst in einem RAW-Programm und exportiert ein 16-Bit-TIFF.
Weitere RAW-Formate: NEF (Nikon), ARW (Sony), PEF (Pentax).
Steckbrief
| Entwickler | Canon |
|---|---|
| Erstmals verwendet | 2004 (EOS-1D Mark II, EOS 20D) |
| Nachfolger | CR3 (seit 2018, EOS M50) |
| Typ | Kamera-Rohdatenformat auf TIFF-Basis, proprietär, ohne öffentliche Spezifikation |
| Kompression | verlustfreies JPEG (ITU-T T.81) |
| Farbtiefe | 12 oder 14 Bit pro Pixel |
| Typische Verwendung | RAW-Fotos aus Canon-EOS-Spiegelreflexkameras |
Weiterführend: Kamera-RAW-Formate bei der Library of Congress, Aufbau von CR2, dokumentiert vom Projekt libopenraw (englisch).